Funktionen
Eisen

Das Spurenelement ist essentieller Bestandteil zahlreicher sauerstoff- und elektronenübertragener Wirkgruppen [3, 4, 13, 20, 22, 23]. Ein Eisenmangel führt zur Aktivitätsabnahme der beteiligten eisenabhängigen Enzyme, insbesondere der Oxidoreduktasen und Monooxigenasen [3].

Sauerstofftransport und Speicherung

Als wesentlicher Baustein von Hämoglobin besteht die Hauptaufgabe des Eisens darin, Sauerstoff aus der Lunge zum Ort der terminalen Oxidation im Gewebe zu transportieren [3, 13, 20]. Eisen ist zudem in Form von Myoglobin an der Speicherung von Sauerstoff beteiligt. Als einkettiges Hämprotein steigert Myoglobin die Diffusionsrate für Sauerstoff aus den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) in das Cytosol und die Mitochondrien der Muskulatur [3].
Hämoglobin sowie Myoglobin enthalten etwa 75 % des Gesamtkörpereisens [3, 22].

Elektronentransport

Zu den wichtigen eisenhaltigen Fraktionen gehören auch die Cytochrome der mitochondrialen Atmungskette. Diese sind für den Elektronentransport essentiell, wobei Elektronen an molekularen Sauerstoff bis zur Bildung von Wasser übertragen werden [3]. Eisen dient bei diesem Vorgang als Elektronenakzeptor.
Cytochromsysteme, insbesondere Cytochrom C, spielen außerdem eine Rolle bei der zellulären Energieversorgung, da sie für die Produktion von ATP  Adenosintriphosphat, Energiespender des Organismus  benötigt werden [4, 22].

Oxidation und Reduktion

  • Ribonukleotidreduktasen – brauchen Eisen, um den für die Reaktionsgeschwindigkeit bestimmenden Schritt der DNA-Synthese zu katalysieren [3, 4]
  • Aminosäuremonooxigenasen  die Funktion dieser eisenabhängigen Enzyme besteht darin, Reaktionen zur Bildung des Serotoninvorläufers 5-Hydroxytryptophan und des Dopaminvorläufers L-Dopa zu beschleunigen; Serotonin und Dopamin sind wichtige Neurotransmitter im zentralen Nervensystem [3]
  • Cytochrom-P450-Familie  vermitteln mit Hilfe von Eisen als aktivierendes Metall zahlreiche Reaktionen im Metabolismus von Xenobiotika (Fremdstoffe), sind unter anderem an der Biosynthese von Steroidhormonen, wie Sexualhormone und Kortikoide, des Vitamins D3, am Metabolismus von Medikamenten, aromatischen Kohlenwasserstoffen und an der Gallensäuresynthese beteiligt [3, 4]
  • Fettsäuredesaturasen – Bildung ungesättigter Fettsäuren [3]
  • Lipoxigenasen  Synthese von Leukotrienen, welche zur Stoffklasse der Eikosanoide gehören, in den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) lokalisiert sind und im Zusammenhang mit allergischen beziehungsweise entzündlichen Reaktionen des Körpers stehen [3]
  • Eisenhaltige Metallo-Enzym-Komplexe, wie Peroxidasen, Katalasen und Oxygenasen  übertragen Wasserstoff auf Wasserstoffperoxid und tragen so zur Entsorgung von Sauerstoffradikalen bei [3, 4, 22, 23]
  • NO-Synthasen und Peroxidasen, außer die Glutathionsperoxidasen – Einfluss auf Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße durch Erschlaffung der glatten Gefäßmuskulatur), Neurotransmission  Kommunikation zwischen Neuronen durch Synapsen  und Immunstatus [3]
  • Oxygentransferasen – sorgen für die Übertragung von Sauerstoff im Intermediärstoffwechsel [22, 23]
  • Eisenhaltige Hydroxylasen – regulieren Entgiftungsprozesse im Körper [22, 23]
  • Sukzinatdehydrogenase des Citratzyklus – katalysiert die Oxidation von Sukzinat zu Fumarat [22]
  • Akonitasen im Citratzyklus der Mitochondrien  enthalten Eisen als lose gebundenen Cofaktor  Eisen-Schwefel-Zentrum  und spielen als Katalysator der reversiblen Reaktion von Zitrat zu Isozitrat eine wesentliche Rolle [22]

Zu den eisenabhängigen Enzymen gehören ebenso die Guanylatcyclasen  cGMP als second Messenger  und die Aminophosphoribosyltransferasen [3]. Letztere sind für die Purinsynthese essentiell, wobei sie den die Reaktionsgeschwindigkeit bestimmenden Schritt katalysieren [3].

Prooxidative Wirkung

Freie Eisenionen sind in der Lage, die Fenton-Reaktion zu katalysieren, wobei Superoxid und Hydrogenperoxid zu freien, reaktiven Radikalen reagieren, die mit erhöhtem oxidativen Stress und vorzeitiger Zellalterung in Verbindung gebracht werden [22, 23, 30].
Lediglich das Transportprotein Transferrin hat antioxidative Eigenschaften. Durch die Bindung des Eisens schützt es Zellen und Gewebe vor freien Eisenionen, die aggressive oxidative Wirkungen aufweisen.

Kollagensynthese

Eisen ist ein wesentliches Spurenelement für die Hydroxylierung der Polypeptidketten und somit für den korrekten Aufbau sowie die Regeneration von Knochen, Knorpel und Bindegewebe unerlässlich [22, 23].

Hohe Eisenspeicher als potentieller Risikofaktor

Freie Eisenionen weisen toxische Wirkungen auf [11]. Sie werden als Prooxidantien mit der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen  wie beispielsweise Erkrankungen der Herzkranzgefäße mit der Folge eines Myokardinfarktes (Herzinfarkt) und neurodegenerativer Erkrankungen  beispielsweise Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson  in Verbindung gebracht [21, 24].
Des Weiteren spielt Eisen wahrscheinlich als limitierender Nährst
off für Wachstum und Replikation von Tumorzellen eine Rolle [25]. Mit Hilfe einer Studie aus den USA konnte bestätigt werden, dass ein erhöhter Eisen-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für Tumorerkrankungen
verbunden ist [29].
Als zugrunde liegender Mechanismus wird diskutiert, dass Eisen über seine katalytische Schlüsselfunktion bei der Bildung cytotoxischer Sauerstoff- und Hydroxyradikale oxidativen Stress begünstigt, zum Beispiel im Verlauf der Fenton- und Haber-Weiss-Reaktionen [5, 24].

Um solchen Erkrankungen vorzubeugen, sollten erhöhte Eisenzufuhren sowie erhöhte Eisenspeicher vermieden werden. Zu Eisenüberladungen kommt es beispielsweise durch stark eisenhaltiges Trinkwasser, Eisen-Kochgeschirr, häufige Bluttransfusionen [28], eine zu hohe Aufnahme von Eisen-Supplementen [11] sowie infolge von chronischen Alkoholismus oder eines vermehrten Verzehrs gut resorbierbarer Eisenquellen  zum Beispiel Hämeisen  aus Lebensmitteln tierischer Herkunft [13, 30].
In Studien konnte diesbezüglich eine positive Korrelation zwischen kardiovaskulärem Risiko  insbesondere dem Risiko für Myokardinfarkt
(Herzinfarkt) und der Hämeisenzufuhr, nicht aber mit Nicht-Hämeisen oder der Gesamt-Eisenzufuhr, festgestellt werden [1].

Bei der hereditären Hämochromatose handelt es sich um eine „Eisenspeicherkrankheit“, die auf eine exzessive, unkontrollierte gastrointestinale Resorption zurückzuführen ist [2, 30]. Personen mit dieser autosomal rezessiv vererbbaren Erkrankung weisen ein erhöhtes Risiko für Leberzellkarzinome auf [5]. Daneben leiden Betroffene unter anderem an Schwäche, braun-graue Hautpigmentierung oder Arthritis. Im späteren Stadium kann es zur Myokardschädigung (Schädigung der Herzmuskulatur), Diabetes mellitus oder Leberzirrhose kommen. Die Leberzirrhose ist das Endstadium verschiedener chronischer Lebererkrankungen, die durch das Absterben von Leberzellen gekennzeichnet ist, wobei funktionsuntüchtiges, knotiges Bindegewebe entsteht [2, 24, 30].
Neben dem Leberkarzinom können bei Hämochromatose- Patienten auch andere Tumore, wie zum Beispiel Mammakarzinome (Brustkrebs) oder kolorektale Karzinome (Dickdarm- und Mastdarmkarzinome) auftreten [21].

Wichtiger Hinweis!
Vor Beginn der Einnahme eines Eisenpräparates sollte stets eine Bestimmung des Serum-Ferritinspiegels durch den Arzt zum Nachweis eines Eisenmangels erfolgen!

Person mit erhöhten Ferritinkonzentrationen sollten keinesfalls Eisen-Supplemente zu sich nehmen. Ein zusätzliches Risiko besteht, wenn solche Personen regelmäßig Vitamin-haltige Nahrungsergänzungsmittel verzehren. Die Vitamine A, C und E weisen bei erhöhten Eisendepots prooxidative Effekte auf und bewirken direkt die Reduktion zu nicht gebundenem, freien Eisen (Fe2+) für die Fenton-Reaktion [12].

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    Intern. Med. J. 31: 237-242
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    Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002
  4. Biesalski, H. K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W., Puchstein, Ch.,
    Stähelin, H., B.
    Ernährungsmedizin. 176-177
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  5. Braunwald, Fauci, Kasper, Hauser, Longo, Jameson
    Harrisons Innere Medizin 2, 15. Auflage. Dietel M.,
    Dudenhausen J., Suttorp N. (Hrsg)., Kap. 345, Seiten 2459-2462.
    ABW Wissenschaftsverlag, Berlin (2003)
  6. Cook J.D. (1990)
  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE),
    Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE),
    Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE),
    Schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE)
    Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 1. Auflage 2000.
    Umschau Braus Verlag, Frankfurt am Main
  8. Elmadfa I., Leitzmann C. (1990)
    Ernährung des Menschen. UTB Grosse Reihe. 2. überarbeitete Auflage.
    Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
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  10. Eschenbruch B.
    Wasser und Mineralstoffe in der Ernährungsmedizin. 59-60
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  11. Forth W., Rummel W. (1987)
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    und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Forth W.,
    Henschler D., Rummel W. (Hrsg.)
    5., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage.
    BI Wissenschaftsverlag, Mannheim
  12. Fraga C.G., Oteiza P.I. (2002)
    Iron toxicity and antioxidant nutrients.
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  13. Hahn A.
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    Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2001
  14. Hallberg L., Hulthén L. (2000)
  15. Hartke K. et al. (Hrsg.) (2002)
    Eisen(III)-chlorid-Hexahydrat.
    Kommentar zum Europäischen Arzneibuch.
    Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart,
    Govi-Verlag-Pharmazeutischer Verlag GmbH Eschborn, 15. Lieferung
  16. Heath A.-L.M., Fairweather-Tait S.J. (2003)
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  17. Kasper H.
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  18. Layrisse M., Garcia-Casal M.N., Solano L., Baron M.A., Arguello F.,
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    Leitfaden Mikronährstoffe. 266-273
    Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2000
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