Funktionen
Alpha-Linolensäure (ALA)

Umwandlung von ALA in EPA und DHA

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) werden zum einen über den Verzehr von Fischen und Algen aufgenommen. Zum anderen ist Alpha-Linolensäure (ALA) das Substrat zur Bildung von EPA und DHA. 10 % der durch Pflanzenöle aufgenommenen ALA werden enzymatisch in EPA und DHA umgewandelt [1].

Antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung

Alpha-Linolensäure mildert Entzündungsreaktionen. Bei Aufnahme von ALA sowie Linolensäure (LA) konkurrieren diese beiden Fettsäuren um dieselben Enzyme der Elongierung und Desaturierung wie z. B. Δ-6-Desaturase und Δ-5-Desaturase [2]. Neben DHA entsteht aus der Alpha-Linolensäure EPA. Aus dieser Omega-3-Fettsäure werden die Eicosanoide der Serie-3 gebildet, welche antiinflammatorisch (entzündungshemmend) wirken. LA wird unter enzymatischem Einfluss in Arachidonsäure umgewandelt, aus welcher die Eicosanoide der Serie-2 entstehen. Diese wirken inflammatorisch (entzündlich) [1, 2].
ALA wirkt antiinflammatorisch, da die Enzyme diese Omega-3-Fettsäure im Vergleich zu LA bevorzugen. Somit werden die Fettsäuren der Linolsäurereihe von den Enzymbindungsstellen verdrängt und es werden bevorzugt EPA und Eicosanoide der Serie-3 gebildet. ALA vermindert somit die Synthese der Eicosanoide der Serie-2.

Rolle in Zellmembran

ALA und deren Folgeprodukte DHA sowie EPA spielen als Strukturelemente der Phospholipide eine wichtige Rolle in den Zellmembranen. Sie ermöglichen die Elastizität der Zellmembran und sorgen somit für gute Nährstoff- und Sauerstoffversorgung.
Speziell DHA gehört zu den Strukturlipiden des Nervensystems und ist Bestandteil in den Photorezeptoren (spezialisierte, lichtempfindliche Sinneszellen) der Retina (Netzhaut des Auges) [3, 4]. Während der Schwangerschaft und Stillzeit fördert DHA die Entwicklung des Gehirns, des zentralen Nervensystems und des Sehvermögens des Kindes [2, 5, 6].

Wirkung auf Herz-Kreislaufsystem

Eine Metaanalyse mit 27 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass eine erhöhte ALA-Einnahme das kardiovaskuläre Risiko moderat reduziert. Allerdings waren die Studiendesigns der verschiedenen Studien sehr heterogen, weshalb dieser Effekt in künftigen Interventionsstudien zu analysieren ist [3].
Weitere Reviews kommen ebenfalls zu dem Resultat, dass die Einnahme von ALA (ca. 2 bis 3 g/Tag) zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen beiträgt [4, 5].

Literatur

  1. Hahn A, Ströhle A, Wolters M: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 3. Auflage, 2016
  2. Biesalski HK, Bischoff SC, Pirlich M, Weimann A: Ernährungsmedizin. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 5. Auflage, 2018
  3. Jeffrey BG, Weisingerb HS, Neuringer M, Mitcheli DC: The role of docosahexaenoic acid in retinal function. Lipids. 2001 Sep;36(9):859-71.
  4. SanGiovanni JP, Chew EY: The role of omega-3 long-chain polyunsaturated fatty acids in health and disease of the retina. Prog Retin Eye Res. 2005 Jan;24(1):87-138.
  5. Uauy R, Hoffman DR, Peirano P et al.: Essential fatty acids in visual and brain development. Lipids. 2001 Sep;36(9):885-95.
  6. Helland IB, Smith L, Saarem K et al.: Maternal supplementation with very-long-chain n-3 fatty acids during pregnancy and lactation augments children's IQ at 4 years of age. Pediatrics. 2003 Jan;111(1):e39-44.
  7. Pan A, Chen M, Chowdhury R, Wu JH, Sun Q, Campos H, Mozaffarian D, Hu FB: α-Linolenic acid and risk of cardiovascular disease: a systemativ review and meta-analysis. Am J Clin Nutr. 2012 Dec; 96(6):1262-73. doi: 10.3945/ajcn.112.044040
  8. Mozzaffarian D: Does alpha-linolenic acid intake reduce the risk of coronary heart disease? A review of the evidence. Altern Ther Health Med. 2005 May-Jun;11(3):24-30
  9. Fleming J, Kris-Etherton PM: The evidence for α-linolenic acid and cardiovascular disease benefits: Comparisons with eicosapentaenoic acid and docosahexaenoic acid. Adv Nutr. 2014 Nov 14;5(6):863S-76S. doi: 10.3945/an.114.005850

     
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