Natrium und Kalium
Natrium überwiegend außerhalb der Körperzellen in der Körperflüssigkeit einschließlich des Blutvolumens. Natrium ist im Extrazellulärraum etwa 10-mal höher konzentriert als im Intrazellulärraum. Im Gegensatz dazu befindet sich Kalium hauptsächlich im Intrazellulärraum des menschlichen Körpers. Dort ist es über 30-mal höher konzentriert als in der extrazellulären Flüssigkeit.Die unterschiedlichen Konzentrationen zwischen Kalium und Natrium auf den jeweiligen Seiten der Zellmembran führen zu einem elektrochemischen Gradienten, bekannt als Membranpotenzial. Dieses ist unter anderem für die Zellerregbarkeit, Nervensignalübermittlung, Muskelkontraktion und Nervenfunktion von essentieller Bedeutung. Zur Aufrechterhaltung dieses Membranpotenzials ist das Natrium-Kalium-Verhältnis der Nahrung beziehungsweise eine ausgeglichene Bilanz zwischen Natrium und Kalium überaus wichtig.
Aus einer übermäßigen Natriumzufuhr kann ein Mangel an Kalium resultieren. Umgekehrt führt eine zu hohe Kaliumaufnahme zu einer vermehrten Natriumausscheidung [1].
Epidemiologischen Studien zufolge besteht eine enge Korrelation zwischen der Kalium- und Natriumzufuhr und dem Blutdruck beziehungsweise erhöhtem Risiko für Apoplex (Schlaganfall). Kalium hat die größte Bedeutung für die nichtpharmakologische Regulation des Blutdrucks [15]. In einer Metaanalyse sowohl mit hypertensiven als auch normotensiven Personen wurde der Einfluss von Kaliumsupplementen (60 bis 200 mmol/Tag, das heißt einer Menge von 2.346-7.820 mg) auf den Blutdruck untersucht. Das Resultat war eine eindeutige Senkung des Blutdrucks (systolisch im Durchschnitt um 3,11 mm Hg und diastolisch im Durchschnitt um 1,97 mm Hg).
Bei den normotensiven Probanden – Personen mit normalem Blutdruck – fiel der Effekt jedoch geringer aus, als bei den hypertensiven Patienten. In den Studien, bei denen die Personen zugleich eine hohe Natriumaufnahme hatte, war der Behandlungserfolg größer [16].
Eine Metaregressionsanalyse von insgesamt 67 klinisch kontrollierten Studien kam zu dem Ergebnis, dass eine Natriumreduktion und vermehrte Kaliumzufuhr einen wesentlichen Beitrag zur Prävention der Hypertonie (Bluthochdruck) leisten kann [5].
Andere Studien, die den Einfluss der Kalium- und Natriumzufuhr auf den Blutdruck untersuchten, führten allerdings zu nicht überzeugenden oder widersprüchlichen Ergebnissen [16]. Eine größere klinische Interventionsstudie mit hypertonen Männern, die mit antihypertensiven Medikamenten behandelt wurden und täglich 3.754 mg Kalium sowie nur sehr geringfügige Mengen an Natrium aufnahmen, zeigte keinen Zusammenhang zwischen Kalium- und Natriumaufnahme und erhöhtem Blutdruck [6, 7].
Die Höhe der Kaliumaufnahme beeinflusst darüber hinaus die Kochsalzsensitivität (Empfindlichkeit gegenüber Kochsalz). Eine niedrige Kaliumzufuhr geht mit einer hohen Empfindlichkeit gegenüber Kochsalz einher. Umgekehrt wird diese dosisabhängig unterdrückt, wenn die Kaliumzufuhr über die Nahrung erhöht wird. Schließlich kann durch eine kaliumreiche Ernährung, vor allem bei Personen mit marginaler Kaliumaufnahme, die Kochsalzsensitivität reduziert und damit das Auftreten von Bluthochdruck verhindert beziehungsweise verzögert werden [3].
Natrium und Calcium
Auf Grund der Abhängigkeit zwischen Natrium und Calcium bezüglich ihrer Reabsorption in der Niere und des Natrium-Effektes auf die Sekretion des Parathormones (PTH), wird bei erhöhter Natrium-Aufnahme ein erhöhter Verlust von Calcium über die Niere festgestellt. Natrium (Na) und Calcium (Ca) werden etwa im Verhältnis 2,3 g Na (entspricht 6 g Salz) : 24-40 mg Ca über die Niere ausgeschieden.Natrium gilt als ein Mineralstoff, der zu Knochenverlust (Osteoporose) führen kann, denn ein großer Teil der Calciumretentions-Schwankungen werden durch Verluste über den Urin erklärt. Bei Frauen kann jedes Gramm zusätzliches Natrium die Menge des Knochenverlustes um 1 % pro Jahr steigern, wenn das ausgeschiedene Calcium aus den Knochen mobilisiert wird. Obgleich Untersuchungen an Tieren einen erhöhten Knochenverlust bei hoher Natrium-Einnahme gezeigt haben, wurden bislang beim Menschen keine kontrollierten klinischen Versuche durchgeführt, um das Verhältnis zwischen Natrium-Aufnahme und Knochenverlust nachzuweisen. Bei postmenopausalen Frauen konnte aber eine erhöhte Natrium-Ausscheidung im Urin – kennzeichnend für eine erhöhte Natrium-Aufnahme – mit einer verringerten Knochenmineraldichte in Verbindung gebracht werden.
Literatur
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