Silymarin (Mariendistel-Fruchtextrakt) – Definition, Synthese, Resorption, Transport und Verteilung

Silymarin ist der aktive Stoffkomplex, der aus den Früchten der Mariendistel (Silybum marianum), einer Pflanze der Korbblütlerfamilie (Asteraceae), gewonnen wird. Die Pflanze ist bekannt für ihre charakteristischen weiß-grün marmorierten Blätter und purpurfarbenen Blüten und wächst bevorzugt auf trockenem, steinigem Boden in Regionen wie Nordafrika, Kleinasien, Südrussland und dem Mittelmeerraum.

Synthese

Die Mariendistel enthält in ihren schwarzbraunen Früchten einen hohen Anteil an fettreichem Öl, Eiweiß und den aktiven Flavanolignanen, die zusammen den Silymarin-Komplex bilden. Zu diesem Komplex gehören Silybin, Silicristin, Silidianin, Isosilibin und Taxifolin, wobei Silybin mit 40 % bis 70 % den größten Anteil und die höchste biologische Aktivität aufweist [1-4].

Resorption und Metabolismus

Nach oraler Aufnahme wird Silymarin zu 20 % bis 50 % absorbiert und in der Leber zu Sulfat- und Glucuronid-Konjugaten umgewandelt, welche dann ins Plasma und in die Galle transportiert werden. Die maximale Plasmakonzentration wird etwa 4 bis 6 Stunden nach der Einnahme erreicht [5-7].

Transport und Ausscheidung

Etwa 80 % des aufgenommenen Silymarins werden mit der Galle ausgeschieden, und rund 10 % reenterieren in den enterohepatischen Kreislauf. Der Großteil des Silymarins verlässt somit den Körper auf natürlichem Wege über die Galle und den Darm [5].

Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit von Silymarin ist relativ gering und abhängig von der Konzentration sowie von der Anwesenheit anderer Inhaltsstoffe. Die Bioverfügbarkeit kann durch Zusätze wie Phosphatidylcholin oder ß-Cyclodextrin verbessert werden, was die Absorption und Wirksamkeit von Silymarin steigert [5].

Literatur

  1. Bühring U: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Grundlagen – Anwendung – Therapie. Haug Fachbuch. 4. Auflage, 2014, S. 266-8
  2. World Health Organization (WHO): WHO Monographs on Selected Medicinal Plants – Volume 2 – Fructus Silybi Mariae. 2004
  3. Hawke RL, Schrieber SJ, Soule TA, Wen Z, Smith PC, Reddy KR, Wahed AS, Belle SH, Afdahl NH, Navarro VJ, Berman J, Liu QY, Doo E, Fried MW, SyNCH Trial Group: Silymarin ascending mutiple oral dosing phase I study in noncirrhotic patients with chronic hepatitis C. J Clin Pharmacol. 2010 Apr; 50(4):434-49. doi: 10.1177/0091270009347475
  4. Loquercio C, Festi D: Silybin and the liver: from basic research to clinical pratice. World J Gastroenterol. 2011 May 14; 17(18):2288-301. doi: 10.3748/wjg.v17.i18.2288
  5. Abenavoli L, Capasso R, Milic N, Capasso F: Milk Thistle in Liver Diseases: Past, Present, Future. Phytother Res. 2010 Oct;24(10):1423-32. doi: 10.1002/ptr.3207
  6. European Medicines Agency (EMA): European Union herbal monograph on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus – Draft. 2015.
  7. European Medicines Agency (EMA): Assessement report on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus – Draft. 2015.