Mangelsymptome
Vitamin C
Bei Vitamin C-Plasmakonzentrationen um 20 µmol/L kommt es zu unspezifischen Frühsymptomen, wie verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, erhöhte Erschöpfung und Reizbarkeit. Eine andauernde Unterversorgung äußert sich durch eine erhöhte Kapillarfragilität, verminderte Infektresistenz, Gingivitis, flächige Schleimhaut- und Hautblutungen [1]. Plasmakonzentrationen unter 10 µmol/L (0,17 mg/dl) gelten als manifester Vitamin C-Mangelzustand [1].

Zu den klinisch manifesten Vitamin C-Mangelerkrankungen zählen
Skorbut bei Erwachsenen und die Moeller-Barlow-Krankheit bei Kindern [1, 2, 3]. Beide Erkrankungen entwickeln sich schleichend über mehrere Monate aus dem Zustand des latenten Vitamin C-Mangels [1]. Klinisch manifester Skorbut, der mit Serumkonzentrationen zwischen 0 mg/l und 2 mg/l einhergeht, kommt in der industrialisierten Welt selten vor. Eine Ausnahme bilden etwa 5 % der alten Menschen [1, 3]. 


Frühes Skorbut-Stadium

  • Schwäche, Ermüdbarkeit [3, 4]
  • Schlechte Wundheilung infolge der gestörten Kollagensynthese [4]
  • Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen [4]
  • Erhöhte Kapillarbrüchigkeit, die zu Blutungen  Hämorrhagien – unter anderem in der Haut führt [1, 4]
  • Zahnfleischbluten [4]
  • Schleimhautblutungen [2, 3]
  • Schmerzen in den stärker beanspruchten Muskeln, vor allem in den Waden [2, 3]
  • Hautverfärbung (blassgelblich bis schmutzig grau-gelb) nach dem Prodromalstadium (etwa 1-3 Monate) mit Entwicklung einer fullikulären Hyperkeratose – starke Verhornung – [2, 3]
  •  Punktförmige  petechiale  Blutungen um die hyperkeratorischen Veränderungen [2]
  • Einblutungen in die Muskulatur und unter das Periost an stark beanspruchten Stellen (hauptsächlich in den Beugemuskeln der unteren Extremitäten und an den Stellen, die bei Bewegung gedehnt werden, wie Kniekehlen und die Umgebung der Achillessehnen), verbunden mit ziehenden Gliederschmerzen – Skorbut-Rheumatismus [2, 3]
  • Beim Bettlägerigen äußern sich die Blutungen zuerst an Rücken, Gesäß und an den Waden [2, 3]
  • Oberflächlich auftretende Blutungen wie Flecken – Ekchymosen – oder Streifen – Vibices – lokalisieren sich in der Umgebung der Schienbeine – der Tibia –, an den Unterarmen, manchmal auch am Nabel [3] 
  • Blutungen in der Tiefe bei unveränderter Haut, die zu ziehenden Schmerzen mit auffallend starker Druckempfindlichkeit der Muskeln und der Knochen führen [2]
  • Aus der fortschreitenden Hämarthrose resultieren Knochen- und Gelenkveränderungen [4]
 Als Ursache für die Müdigkeit und Schwäche bei Vitamin C-Mangel wird ein Defizit an Carnitin vermutet, denn Vitamin C dient als Kofaktor bei der Carnitinsynthese aus Lysin in Methionin. Ein Mangel an Carnitin hat weit reichende Konsequenzen für die Energiegewinnung und den Fettstoffwechsel, da die Aminosäure für die Einschleusung langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien benötigt wird, in denen die Energiesynthese abläuft [3].  

Fortgeschrittenes Skorbut-Stadium

  •  Skorbutische Geschwüre (Rupia scorbutica) infolge sekundärer Infektionen, meist nur in der Nachbarschaft kariöser Zähne, die trotz Auflockerung der Schleimhaut nicht unbedingt ausfallen [3]
  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung) [3]
  • Gelegentliche Blutungen in Bindehaut – Konjunktiven –, Aderhaut und Augenkammern, selten Nasenbluten, ist dann aber sehr schwer zu stillen [3]
  • Die Haut erscheint rau, reibeisenähnlich – Lichen scorbuticus –, da die stecknadelkopfgroßen, braunroten Blutungen – Purpura scorbutica – die Haarbälge bevorzugen [3]
  • Häufig ist die Leber vergrößert (Hepatomegalie), die Milz fast nie [3]
  • Hypotonie, vasomotorische Störungen und hypochrome Anämie mit praktisch normalen Leukozyten- und Thrombozytenwerten; Blutgerinnung und -zeit sind unverändert [3]

Psychische Veränderungen

  • Gleichgültigkeit
  • Allgemeine Unpässlichkeit
  • Leichte Erschöpfbarkeit
  • Änderungen der Persönlichkeit und der psychomotorischen Leistung
  • Verstärkte Schwermütigkeit und Depression [2, 3]
Moeller-Barlow-Krankheit

Der Säuglings-Skorbut kann längere Zeit latent bleiben, bevor er zum Beispiel im Verlauf einer febrilen Krankheit mit folgenden Symptomen manifest wird [3].

  • Große, subperiostale Hämatome, pathologische Knochenbrüche, häufig mit Epiphyseolyse und starken Schmerzen verbunden
  •  Hampelmann-Phänomen“ – die Kinder zucken bei der leichtesten Berührung zusammen
  • Skorbutische Gingivitis (tritt nur auf, wenn die Zähne schon durchgebrochen sind) [3]
 In einigen Fällen ist eine isolierte oder wiederholte Hämaturie (Blut im Urin) das einzige Symptom. Vitamin C-Mangel kann zu einem Wachstumsstillstand führen [3].  In unserer Region tritt Skorbut äußerst selten auf, da eine tägliche Zufuhr von 10 mg L-Ascorbinsäure bereits ausreicht, um Skorbut zu verhindern. Heutzutage stehen subklinische Mangelerscheinungen im Vordergrund, die sehr weit verbreitet sind, aber oftmals nicht als latente Vitaminmangelsymptome erkannt werden. 


Zu den subklinischen Mangelsymptome gehören

  • Verminderte Leistungsfähigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Reizbarkeit
  • Schlechtes Immunsystem
  • Glieder- und Gelenkschmerzen [2, 3]



Literatur

  1. BGA (1992) Monographie: Vitamin C. BAnz vom 29.10.1992
  2. Biesalski, H. K.; Köhrle, J.; Schümann, K. Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. 65-66 Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002
  3. Biesalski, H. K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W., Puchstein, Ch., Stähelin, H., B. Ernährungsmedizin. 145-146 Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  4. Leitzmann, C., Müller, C., Michel, P., Brehme, U., Hahn, A., Laube, H. Ernährung in Prävention und Therapie. 54 2005 Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

 


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