Phosphor – Nebenwirkungen

Die Beurteilung möglicher Nebenwirkungen einer erhöhten Phosphorzufuhr erfordert die klare Differenzierung zwischen gesunden Erwachsenen mit normaler glomerulärer Filtrationsrate (Nierenfilterleistung) und Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion (verminderte Nierenleistung).

Bei intakter Nierenfunktion wird die Phosphathomöostase (Regulation des Phosphathaushalts) durch eine adaptive Steigerung der renalen Phosphatausscheidung (Ausscheidung von Phosphat über die Nieren) in der Regel effektiv aufrechterhalten. Demgegenüber kann es bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD G4–G5; glomeruläre Filtrationsrate < 30 ml/min/1,73 m²) (schwere chronische Nierenerkrankung) zu einer klinisch relevanten Einschränkung der Phosphatausscheidung mit konsekutiver Phosphatretention (Anreicherung von Phosphat im Körper) kommen.

Entsprechend beziehen sich definierte obere Aufnahmemengen für Phosphor ausschließlich auf gesunde Personen und sind nicht auf Patienten mit moderater bis schwerer Nierenfunktionsstörung (CKD G3b–G5; glomeruläre Filtrationsrate < 45 ml/min/1,73 m²) (mittelschwere bis schwere Nierenerkrankung) übertragbar.

Die sichere tägliche Höchstmenge für Phosphor liegt gemäß der Expert Group on Vitamins and Minerals (EVM, Expertengremium für Vitamine und Mineralstoffe des Vereinigten Königreiches) bei 2.400 mg [1].
Die sichere tägliche Höchstmenge für Phosphor entspricht dem ca. 3,5-fachen der empfohlenen Tagesdosis der EU (Nutrient Reference Value, NRV).

Bei gesunden Erwachsenen mit normaler Nierenfunktion scheinen Gesamtzufuhren von bis zu etwa 3.000 mg Phosphor pro Tag unter Alltagsbedingungen in der Regel ohne klinisch relevante Nebenwirkungen toleriert zu werden [2]. Diese Einschätzung beruht auf der kombinierten Aufnahme aus der üblichen Ernährung und der physiologischen Anpassungsfähigkeit der renalen Phosphatausscheidung.

Demgegenüber können zusätzliche Phosphormengen aus Nahrungsergänzungsmitteln bereits in einer Größenordnung von etwa 750 mg pro Tag, eingenommen über circa eine Woche, bei einzelnen Personen zu unerwünschten Nebenwirkungen, insbesondere gastrointestinaler Art (Magen-Darm-Beschwerden), führen [3], was verdeutlicht, dass hochdosierte Supplementierungen nicht mit der alimentären Gesamtzufuhr gleichzusetzen sind.

Eine dauerhaft überhöhte Phosphorzufuhr kann – insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion – zu erhöhten Phosphorkonzentrationen im Blut und in der Folge zu Störungen des Calcium-Phosphat-Stoffwechsels (Störung des Mineralstoffgleichgewichts) mit möglicher Begünstigung extraossärer Kalzinosen (Ablagerungen von Kalk außerhalb der Knochen) beitragen. Für gesunde Erwachsene liegen hingegen Hinweise vor, dass eine Phosphorzufuhr von bis zu 2.000 mg pro Tag über einen Zeitraum von 15 Monaten nicht mit Anzeichen einer Kalzinose (Kalkablagerung) assoziiert war [1].

Des Weiteren wurde folgendes Fachbuch für die Verfassung dieses Artikels herangezogen [5].

Literatur

  1. Report of the Expert Group on Vitamins and Minerals: Safe Upper Levels for Vitamins and Minerals. Food Standards Agency Publications 2003
  2. Scientific Committee on Food (SCF) and Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) of EFSA, Tolerable Upper Intake Levels for Vitamins and Minerals, European Food Safety Authority 2006, ISBN: 92-9199-014-0
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A et al. Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) (Hrsg.): Ernährungsbericht 2004. Bonn, ISBN 3-88749-183-1
  5. Hahn A, Ströhle A & Wolters M (2023). Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie (4. Auflage). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft