Biotin – Interaktionen

Biotin, auch bekannt als Vitamin B7, spielt eine entscheidende Rolle im Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel. Die Verfügbarkeit und Effizienz von Biotin im Körper kann jedoch durch die Interaktion (Wechselwirkung) mit anderen Nährstoffen und bestimmten Nahrungsmitteln beeinflusst werden [1-3]. Hier eine detaillierte Darstellung der wichtigsten Interaktionen:

Pantothensäure (Vitamin B5)

Die Aufnahme von Biotin kann durch Pantothensäure beeinträchtigt werden, da beide Vitamine um die gleichen Transportmechanismen im Darm konkurrieren. Hohe Dosen von Pantothensäure können folglich die Absorption von Biotin reduzieren. Dies unterstreicht die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses dieser beiden B-Vitamine in der Ernährung, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Avidin

Avidin, ein Glycoprotein in rohem Eiklar, bindet Biotin und verhindert dessen Aufnahme durch den Körper. Diese Bindung ist extrem stark und verhindert, dass Biotin metabolisch verfügbar wird, was bei regelmäßigem Konsum von rohen Eiern zu einem Biotinmangel führen kann. Das Erhitzen von Eiern auf 100 °C denaturiert Avidin, wodurch die Bindungskapazität an Biotin verloren geht und das Vitamin wieder aufgenommen werden kann.

Symptome eines Biotin-Mangels durch exzessiven Eiklargenuss

Die Konsequenzen eines langfristigen, übermäßigen Konsums von rohem Eiklar manifestieren sich in verschiedenen gesundheitlichen Problemen:

  • Anfänglich treten Symptome wie ein feinschuppiges, nicht juckendes Exanthem (Hautausschlag) auf, das sich oft spontan zurückbildet.
  • Fortgesetzter Konsum führt zu schwerwiegenderen Zuständen wie makulosquamöser Dermatitis, starker Schuppung, Depression, Erschöpfung, Schläfrigkeit, Muskelschmerzen, Hyperästhesien (übermäßige Empfindlichkeit der Haut), Parästhesien (abnormale Hautempfindungen), Appetitlosigkeit und zeitweiligem Schwindel.
  • Zudem kann eine leichte Anämie und ein Anstieg des Cholesterin-Serumspiegels auftreten.

Diese Symptome verschwinden typischerweise rasch nach der Verabreichung von Biotin in therapeutischen Dosen (75-300 µg pro Tag).

Wechselwirkungen mit anderen Vitaminen und Spurenelementen

  • Vitamin D: Es gibt Hinweise darauf, dass Vitamin D und Biotin synergistisch für Hautgesundheit und Haarwachstum wirken können. Vitamin D spielt eine Rolle bei der Haarfollikelregeneration.
  • Zink: Zink und Biotin können miteinander interagieren, da beide für die normale Funktion einer Vielzahl von Enzymen notwendig sind. Ein Mangel an einem dieser Nährstoffe kann daher die enzymatische Aktivität beeinträchtigen, die für Haut, Haare und Nägel wichtig ist.

Wechselwirkungen durch Ernährungsgewohnheiten

  • Antibiotika und Darmgesundheit: Langfristige Antibiotikabehandlungen können die Darmflora schädigen, die wichtig für die Synthese von Biotin im Darm ist. Dies kann indirekt zu einem Biotinmangel führen, auch wenn dies weniger eine direkte Wechselwirkung mit Biotin selbst ist.

Genetische Faktoren

  • Genetische Variationen: Unterschiede in den Genen, die für die Biotinidase, ein Enzym, das für die Wiederverwendung von Biotin im Körper notwendig ist, kodieren, können die Verfügbarkeit von Biotin beeinflussen. Mutationen in diesen Genen können zu einem angeborenen Biotinmangel führen, der eine erhöhte Zufuhr von Biotin erfordert.

Literatur

  1. Hahn A, Ströhle A & Wolters M (2023). Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie (4. Auflage). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
  2. Matissek R, Hahn A (2023). Lebensmittelchemie (10. Aufl.). Springer Verlag
  3. Biesalski HK (2024). Vitamine, Spurenelemente und Minerale. Indikationen, Diagnostik, Therapie. (3. Auflage). Thieme Verlag