Jod – Mangelsymptome
Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das der Körper für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Diese Hormone regulieren zentrale Stoffwechselprozesse sowie Wachstum, Entwicklung und Energiehaushalt. Ein Jodmangel kann sich unterschiedlich auf die Gesundheit auswirken – abhängig von Dauer und Ausprägung des Mangels sowie vom Lebensalter.
Führt ein Jodmangel immer zu einem Kropf?
Ein Jodmangel führt nicht zwangsläufig zu einem Kropf (Vergrößerung der Schilddrüse). Zwar ist der Kropf eine häufige Folge eines länger bestehenden Jodmangels, er tritt jedoch nicht bei allen Betroffenen auf.
Bei unzureichender Jodzufuhr kann die Schilddrüse nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produzieren. In der Folge wird sie durch das TSH (Thyreoidea-stimulierende Hormon) vermehrt angeregt. Diese dauerhafte Stimulation kann zu einer Vergrößerung des Schilddrüsengewebes führen.
Bei leichtem oder kurzfristigem Jodmangel ist es möglich, dass die Schilddrüse den Mangel funktionell kompensiert, ohne dass es zu einer sichtbaren Organvergrößerung kommt. Das Fehlen eines Kropfes schließt einen Jodmangel daher nicht aus.
Beschwerden durch einen Kropf
Ein Kropf kann – abhängig von Größe, Wachstumsgeschwindigkeit und anatomischer Ausdehnung – unterschiedliche Beschwerden verursachen. Diese entstehen vor allem durch den raumfordernden Effekt der vergrößerten Schilddrüse auf benachbarte Strukturen im Halsbereich.
- Zunahme des Halsumfangs
- Gefühl eines „Kloßes“ oder Druckgefühls im Hals
- Schluckbeschwerden
- Atembeschwerden, insbesondere bei größeren oder nach unten wachsenden Kropfformen
- Stauung der sichtbaren Halsvenen
Formen des Kropfes
- Diffuser Kropf: gleichmäßige Vergrößerung der Schilddrüse, häufig bei frühem oder moderatem Jodmangel
- Knotiger Kropf: eine oder mehrere umschriebene Gewebeveränderungen, meist als Folge eines langjährigen Jodmangels
Warnzeichen bei Kropf
Bestimmte Symptome weisen auf eine klinisch relevante oder potenziell bedrohliche Ausprägung eines Kropfes hin und sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden:
- Zunehmende oder plötzlich einsetzende Atemnot
- Pfeifende Atemgeräusche beim Einatmen
- Rasch zunehmende Schilddrüsenvergrößerung
- Heiserkeit oder anhaltende Stimmveränderungen
- Ausgeprägte Schluckstörungen
- Deutliche Stauung der Halsvenen
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Bei ausgeprägtem oder lang anhaltendem Jodmangel kann die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone produzieren, was zu einer Hypothyreose führt. Mögliche Symptome sind:
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Verlangsamte Reaktionsfähigkeit
- Kälteempfindlichkeit
- Verstopfung
- Appetitlosigkeit und Gewichtszunahme
- Trockene, kühle Haut
- Heisere, tiefe Stimme
- Dünner werdendes Haar
- Bradykardie (verlangsamter Herzschlag)
- Hypercholesterinämie
- Zyklusstörungen bei Frauen
Weiteres
Auswirkungen bei Kindern
Kinder mit Jodmangel können eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit sowie eine verzögerte körperliche und geistige Entwicklung zeigen. Besonders in den frühen Lebensjahren kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen die Gehirnentwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Solche Schäden sind häufig nicht vollständig reversibel.
Schwangere und Stillende
Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Jodbedarf. Ein Jodmangel während der Schwangerschaft kann die neurologische Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen. In schweren Fällen kann sich eine kongenitale Hypothyreose entwickeln.
Ältere Menschen
Bei älteren Menschen kann ein Jodmangel zu Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen und kognitiven Einschränkungen führen. Diese Symptome können fälschlich als altersbedingt interpretiert werden. In ausgewählten Fällen sind jodmangelbedingte kognitive Beeinträchtigungen durch eine adäquate Jodzufuhr zumindest teilweise reversibel.
Fazit
Ein Jodmangel kann vielfältige gesundheitliche Folgen haben, die von funktionellen Störungen der Schilddrüse über Kropfbildung bis zu relevanten Entwicklungsstörungen bei Kindern reichen. Eine ausreichende Jodzufuhr ist daher ein wesentlicher Baustein zur Erhaltung der Gesundheit über alle Lebensphasen hinweg.
Literatur
- Biesalski HK, Bischoff SC, Pirlich M, Weimann A (Hrsg.). Ernährungsmedizin. 5. Aufl. Thieme; 2017.
- Hahn A, Ströhle A, Wolters M. Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. 4. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2023.
- Biesalski HK. Vitamine, Spurenelemente und Minerale. 3. Aufl. Thieme; 2024.