Vitamin A – Mangelsymptome

Vitamin A ist ein essenzieller Mikronährstoff, der eine Schlüsselrolle bei verschiedenen biologischen Prozessen im menschlichen Körper spielt. Ein Mangel an Vitamin A kann eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verursachen, die sowohl das Sehvermögen als auch das Immunsystem, die Haut und viele andere Organe betreffen.

Diagnostische Grenzwerte und Frühstadien

Nach der WHO liegt bei Werten von 10 bis 20 µg/dl ein beginnender und bei Werten unter 10 µg/dl ein ausgeprägter Vitamin-A-Mangel vor. Erst wenn die Leberspeicher entleert sind, sinkt auch der Vitamin A-Plasmaspiegel, wobei im Gewebe bereits vor der Erniedrigung der Plasmakonzentration eine eindeutige Vitamin-A-Unterversorgung besteht [1].

Typische Veränderungen durch Vitamin-A-Mangel 

Allgemeinsymptome

  • Müdigkeit
  • Appetitverlust
  • Erhöhte Gefahr von Nierensteinbildung [1, 2]

Auge

  • Trockenheit, Jucken und Rötung der Konjunktivita [1, 2]
  • Störung der Dunkeladaption bis zur Hemeralopie – verlangsamte Anpassung an das Dämmerungssehen durch Verminderung des lichtempfindlichen Pigments Rhodopsin in den Stäbchen [1, 2, 3]
  • Konjunktivale oder korneale Xerose [1, 2]
  • Bitot-Flecke (weiße Flecken an der Außenseite der Bindehaut durch angehäuftes verhorntes Material), Keratomalazie, Erblindung [1, 2, 3]

Ohr

  • Hörstörungen (werden diskutiert)
  • Erhöhte Vulnerabilität [1, 2]

Nase

  • Herabgesetzte Geruchsempfindlichkeit [1, 2]

Haut, Schleimhäute

  • Eintrocknung bis Verhornung von Schleimhäuten, Atrophie von Speicheldrüsen und Kehlkopf
  • Gehäuft Gingivitis, Stomatitis, Bronchitis und Pneumonie, mit weiterer Abnahme der Vitamin-A-Speicher
  • Atrophie des Darmepithels mit Resorptionsstörungen
  • Trockene, raue, juckende Haut mit Ausschlägen, trockene, spröde Nägel und Haare
  • Erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen der Lunge, Speiseröhre, Blase, Prostata, des Gebärmutterhalses, Magens und Darms sowie des Kehlkopfes [1, 2]

Blut

  • Hypochrome Anämie [1, 2]

Knochen, Zähne

  • Dentinationsstörungen, Wachstumsstörungen – besonders der langen Röhrenknochen [1, 2, 3] 

Zentralnervensystem

  • Erhöhung des intrazerebralen Drucks, Hydrozephalus bei Neugeborenen [1, 2]

Keimdrüsen

  • Störungen der Spermatogenese [1, 2]

Teratogenität

  • Fehlbildungen vor allem Bereich des Hörorgans in unterschiedlicher Ausprägung
  • Multiple Fehlbildungen des Gastrointestinal- und Urogenitaltrakts [1, 2]

Systemische Auswirkungen

Ein Vitamin-A-Mangel beeinträchtigt das Immunsystem erheblich und führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen, insbesondere der Atemwege. Bei Kindern in Entwicklungsländern erhöht ein latenter Vitamin-A-Mangel die Sterblichkeitsrate signifikant [1]. Der Mangel an Vitamin A führt zu pathophysiologischen Veränderungen, einschließlich einer signifikanten Abnahme von zilientragenden Zellen in der Respirationsschleimhaut und einer Zunahme von sezernierenden Zellen, was Metaplasien begünstigt [1, 4].

Literatur

  1. Biesalski HK; Köhrle J; Schümann K Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. 8-13 Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002
  2. Biesalski HK, Fürst P, Kasper, H, Kluthe R, Pölert W, Puchstein Ch, Stähelin HB Ernährungsmedizin. 117-119 Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  3. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Hahn A, Laube H Ernährung in Prävention und Therapie. 32 2005 Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG 
  4. SCF (Scientific Committee on Food), 2002 Opinion of the Scientific Committee on Food on the Tolerable Upper Intake Level of Preformed Vitamin A (retinol and retinyl esters). Scientific Committee on Food SCF/CS/NUT/UPPLEV/24 Final. 7 October 2002 (expressed on 26 September 2002) 
  5. Stofft E, Biesalski HK, Niederauer U, Zschäbitz A, Weiser H Morphological changes in the tracheal epithelium of Guinea Pigs in conditions of „acute“ Vitamin A deficiency. Int J Vitam Nutr Res. 1992: 62; 143-2