Nebenwirkungen

Cranberry (Vaccinium macrocarpon) ist ein traditionell genutztes Lebensmittel und wird heute vor allem in Form von Saft, Extrakten oder Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, insbesondere zur Unterstützung der Harnwegsgesundheit. Cranberry-Produkte gelten insgesamt als gut verträglich. Dennoch können – vor allem bei höherer Dosierung oder langfristiger Einnahme – Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auftreten, die beachtet werden sollten.

Allgemeine Nebenwirkungen

Die Mehrzahl der berichteten Nebenwirkungen unter Cranberry-Produkten ist mild und vorübergehend. Sie betreffen überwiegend den Magen-Darm-Trakt und stehen häufig im Zusammenhang mit der aufgenommenen Menge sowie der Darreichungsform [1, 2]:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Dazu zählen Übelkeit, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen und Durchfall. Diese Effekte treten insbesondere bei hochkonzentrierten Extrakten oder großen Mengen Cranberrysaft auf und lassen sich häufig durch die Einnahme zu den Mahlzeiten reduzieren [1-3].
  • Erhöhter Säuregehalt im Magen: Cranberry enthält organische Säuren (z. B. Zitronen- und Apfelsäure), die bei empfindlichen Personen gastroösophagealen Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) verstärken können [2, 4].
  • Geschmacksirritationen: Insbesondere ungesüßter Cranberrysaft wird aufgrund seiner ausgeprägten Säure und Bitterkeit von manchen Personen als unangenehm empfunden [1].

Allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten

Allergische Reaktionen auf Cranberry sind selten, aber beschrieben [3].

  • Hautreaktionen: In Einzelfällen können Hautausschläge, Juckreiz oder Rötungen auftreten, insbesondere bei Personen mit bekannter Beerenallergie [3].
  • Pseudoallergische Reaktionen: Unspezifische Beschwerden ohne immunologische Ursache, etwa Magen-Darm-Symptome, können bei empfindlichen Personen vorkommen [4].

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Cranberry kann mit bestimmten Arzneimitteln interagieren, insbesondere über Beeinflussung von Leberenzymen oder pharmakodynamische Effekte [5].

  • Antikoagulanzien (Blutverdünner): Mehrere Fallberichte und Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Cranberry die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin verstärken kann. Vermutet wird eine Hemmung von Cytochrom-P450-Enzymen, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führen kann [5-7].
  • Arzneimittel mit engem therapeutischem Fenster: Theoretisch sind Wechselwirkungen auch mit anderen Medikamenten möglich, die über CYP2C9 oder CYP3A4 metabolisiert werden, wenngleich klinische Daten hierzu begrenzt sind [6, 8].

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Personen, die Antikoagulanzien einnehmen, vor einer regelmäßigen oder hochdosierten Einnahme von Cranberry-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ärztlichen Rat einholen sollten [9].

Sehr hohe Dosierungen und Langzeiteinnahme

Bei sehr hoher und langfristiger Zufuhr von Cranberry-Produkten können spezifische Risiken auftreten [2, 10].

  • Erhöhtes Risiko für Nierensteine: Cranberry enthält relevante Mengen an Oxalaten (Salze der Oxalsäure). Bei prädisponierten Personen kann eine hohe Oxalataufnahme das Risiko für Calciumoxalat-Nierensteine erhöhen [10, 11].
  • Störungen des Mineralstoffhaushalts: Durch die hohe Säure- und Polyphenolzufuhr können bei exzessivem Konsum theoretisch Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt auftreten, klinisch relevante Effekte sind jedoch selten [2].

Sicherheit üblicher Dosierungen

Cranberry gilt in üblichen Dosierungen als sicher. In Humanstudien wurden standardisierte Extrakte mit 36 bis 72 mg Proanthocyanidinen (PACs) pro Tag sowie 240 bis 500 ml Cranberrysaft über mehrere Monate gut vertragen [1, 2, 12].
Sehr hohe Dosierungen oder die kombinierte Einnahme mehrerer Cranberry-Produkte sollten vermieden werden, insbesondere bei bestehender Neigung zu Nierensteinen oder gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien [9-11].

Literatur

  1. Jepson RG, Williams G, Craig JC. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Oct 17;10(10):CD001321. doi: 10.1002/14651858.CD001321.pub5. Update in: Cochrane Database Syst Rev. 2023 Apr 17;4:CD001321. doi: 10.1002/14651858.CD001321.pub6.
  2. Blumberg JB, Camesano TA, Cassidy A, Kris-Etherton P, Howell A, Manach C, Ostertag LM, Sies H, Skulas-Ray A, Vita JA. Cranberries and their bioactive constituents in human health. Adv Nutr. 2013 Nov 6;4(6):618-32. doi: 10.3945/an.113.004473.
  3. McKay DL, Blumberg JB. Cranberries (Vaccinium macrocarpon) and cardiovascular disease risk factors. Nutr Rev. 2007 Nov;65(11):490-502. doi: 10.1111/j.1753-4887.2007.tb00273.x.
  4. Howell AB. Bioactive compounds in cranberries and their role in prevention of urinary tract infections. Mol Nutr Food Res. 2007 Jun;51(6):732-7. doi: 10.1002/mnfr.200700038.
  5. Grant P. Warfarin and cranberry juice: an interaction? J Heart Valve Dis. 2004 Jan;13(1):25-6.
  6. Mohammed Abdul MI, Jiang X, Williams KM, Day RO, Roufogalis BD, Liauw WS, Xu H, McLachlan AJ. Pharmacodynamic interaction of warfarin with cranberry but not with garlic in healthy subjects. Br J Pharmacol. 2008 Aug;154(8):1691-700. doi: 10.1038/bjp.2008.210.
  7. Ngo N, Brantley SJ, Carrizosa DR, Kashuba AD, Dees EC, Kroll DJ, Oberlies NH, Paine MF. The warfarin-cranberry juice interaction revisited: A systematic in vitro-in vivo evaluation. J Exp Pharmacol. 2010 Jul;2010(2):83-91. doi: 10.2147/JEP.S11719.
  8. Paeng CH, Sprague M, Jackevicius CA. Interaction between warfarin and cranberry juice. Clin Ther. 2007 Aug;29(8):1730-5. doi: 10.1016/j.clinthera.2007.08.018.
  9. Bundesinstitut für Risikobewertung. Wechselwirkungen zwischen Cranberry-Produkten und Arzneimitteln. Stellungnahme Nr. 013/2012
  10. Terris MK, Issa MM, Tacker JR. Dietary supplementation with cranberry concentrate tablets may increase the risk of nephrolithiasis. Urology. 2001 Jan;57(1):26-9. doi: 10.1016/s0090-4295(00)00884-0.
  11. Gettman MT, Ogan K, Brinkley LJ, Adams-Huet B, Pak CY, Pearle MS. Effect of cranberry juice consumption on urinary stone risk factors. J Urol. 2005 Aug;174(2):590-4; quiz 801. doi: 10.1097/01.ju.0000165168.68054.f8.
  12. Maki KC, Kaspar KL, Khoo C, Derrig LH, Schild AL, Gupta K. Consumption of a cranberry juice beverage lowered the number of clinical urinary tract infection episodes in women with a recent history of urinary tract infection. Am J Clin Nutr. 2016 Jun;103(6):1434-42. doi: 10.3945/ajcn.116.130542. Erratum in: Am J Clin Nutr. 2017 Aug;106(2):708. doi: 10.3945/ajcn.117.161851.