Interaktionen
Ginkgo biloba wird häufig zur Unterstützung von Gedächtnisleistung und Durchblutung eingesetzt. Die Blätter enthalten unter anderem Flavonolglykoside (pflanzliche Schutzstoffe) und Terpenlactone wie Ginkgolide und Bilobalid [1]. Da Ginkgo oft von älteren Menschen eingenommen wird, die zusätzlich Arzneimittel verwenden, sind mögliche Wechselwirkungen besonders wichtig [2].
Warum kann Ginkgo Wechselwirkungen auslösen?
Ginkgo kann auf zwei Wegen mit Arzneimitteln interagieren. Zum einen kann es die Wirkung bestimmter Medikamente im Körper verstärken oder abschwächen, zum Beispiel im Bereich der Blutgerinnung. Zum anderen kann Ginkgo den Arzneistoffwechsel beeinflussen, also den Abbau von Medikamenten über Leberenzyme wie Cytochrom-P450-Enzyme [2, 3].
Besonders relevant ist die mögliche Wirkung auf Thrombozyten (Blutplättchen). Einzelne Inhaltsstoffe des Ginkgos können den Platelet-Activating Factor, einen Botenstoff der Blutplättchenaktivierung, hemmen [4]. Dadurch kann theoretisch die Blutungsneigung zunehmen. Eine feste Grenzdosis für Interaktionen gibt es nicht; bei üblichen Dosierungen standardisierter Extrakte von etwa 120-240 mg pro Tag sind klinisch relevante Wechselwirkungen selten, sollten aber bei Risikomedikation wie Blutverdünnern oder Antiepileptika bereits in diesem Bereich berücksichtigt werden [2, 3, 5].
Wechselwirkungen mit Blutverdünnern
Die wichtigste mögliche Interaktion betrifft Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer) wie Warfarin, Phenprocoumon oder direkte orale Antikoagulanzien sowie Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel [5].
Kontrollierte Studien zeigen zwar nicht einheitlich ein erhöhtes Blutungsrisiko durch standardisierte Ginkgo-Extrakte [6]. Dennoch gibt es einzelne Fallberichte über Blutungen unter Ginkgo, sodass bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Arzneimitteln Vorsicht geboten ist [7]. Patienten mit Blutungsneigung oder geplanter Operation sollten Ginkgo nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden [5, 8].
Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln
Auch bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen sollte eine mögliche Wechselwirkung mitbedacht werden. Diese Medikamente können das Blutungsrisiko, besonders im Magen-Darm-Trakt, erhöhen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Ginkgo kann sich dieses Risiko theoretisch verstärken [5, 9].
Besonders relevant ist dies für ältere Menschen, Personen mit früheren Magen- oder Darmgeschwüren sowie für Patienten, die zusätzlich Gerinnungshemmer einnehmen [9].
Einfluss auf den Arzneistoffwechsel
Ginkgo kann Enzyme beeinflussen, die am Abbau von Arzneimitteln beteiligt sind. Dazu gehören vor allem CYP2C19, CYP3A4 und CYP2C9 [2, 3]. Die klinische Bedeutung ist meist gering, kann aber bei Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite wichtig werden. Damit sind Medikamente gemeint, bei denen schon kleine Konzentrationsänderungen zu Wirkverlust oder Nebenwirkungen führen können [2].
Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Antiepileptika, Immunsuppressiva, Psychopharmaka oder Medikamente aus der Krebstherapie. In diesen Fällen sollte Ginkgo nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Prüfung begonnen oder abgesetzt werden [2].
Ginkgo und Epilepsie
Ginkgo-Samen enthalten Ginkgotoxin, eine Substanz, die den Vitamin-B6-Stoffwechsel beeinflussen und die Krampfschwelle senken kann [10]. Auch für Ginkgo-Präparate wurden einzelne Fälle von epileptischen Anfällen beschrieben [11].
Menschen mit Epilepsie oder erhöhter Krampfbereitschaft sollten Ginkgo daher nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Von Ginkgo-Samen ist wegen des höheren Ginkgotoxin-Gehalts abzuraten [10].
Ginkgo vor Operationen
Vor Operationen, zahnärztlichen Eingriffen oder anderen invasiven Maßnahmen sollte die Einnahme von Ginkgo immer angegeben werden. Wegen der möglichen Wirkung auf die Blutgerinnung wird häufig empfohlen, Ginkgo-Arzneimittelextrakte vor planbaren Eingriffen rechtzeitig abzusetzen [8].
Die genaue Absetzfrist sollte individuell mit Arzt oder Apotheker abgestimmt werden, insbesondere wenn zusätzlich gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden [8].
Bedeutung der Präparatequalität
Bei Ginkgo-Präparaten kommt es entscheidend auf die Qualität und Zusammensetzung des verwendeten Extrakts an. Standardisierte Arzneiextrakte sind genauer zusammengesetzt als viele Nahrungsergänzungsmittel oder Teezubereitungen [1, 2]. Deshalb lassen sich Studienergebnisse zu geprüften Extrakten nicht automatisch auf alle frei verkäuflichen Produkte übertragen.
Für die ärztliche Beratung ist daher wichtig, nach Präparateform, Dosierung, Einnahmedauer und gleichzeitiger Medikation zu fragen [2].
Fazit
Ginkgo biloba kann mit Arzneimitteln interagieren, vor allem mit Blutverdünnern, Thrombozytenaggregationshemmern, NSAR, Antiepileptika und Medikamenten mit enger therapeutischer Breite. Das Blutungsrisiko ist in Studien mit standardisierten Extrakten nicht eindeutig erhöht, dennoch ist bei Risikopatienten Vorsicht erforderlich. Ginkgo sollte daher immer in der Arzneimittel- und Supplementanamnese berücksichtigt werden.
Literatur
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