Nebenwirkungen

Ginkgo biloba (Ginkgo, Fächerblattbaum) wird häufig zur Unterstützung der geistigen Leistungsfähigkeit und bei altersbedingten kognitiven Beschwerden eingesetzt. Die Blätter enthalten unter anderem Flavonoide und Terpenlactone, denen antioxidative (zellschützende) und durchblutungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden [1]. Trotz der pflanzlichen Herkunft kann Ginkgo biloba Nebenwirkungen verursachen und mit Arzneimitteln wechselwirken [1].

Häufige Nebenwirkungen

Ginkgo-Präparate gelten bei sachgerechter Anwendung standardisierter Extrakte meist als gut verträglich. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel sowie Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen [1, 2]. Diese Beschwerden sind meist mild und treten eher zu Beginn der Einnahme, bei empfindlichen Personen oder bei höherer Dosierung auf. Für standardisierte Ginkgo-Arzneimittelextrakte werden bei Erwachsenen häufig Tagesdosierungen von 120-240 mg verwendet; in vielen klinischen Studien und Arzneimittelmonografien liegt die übliche Tagesdosis bei 240 mg [1]. Höhere Dosierungen sollten nicht eigenständig gewählt werden, da sie die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wirkungen erhöhen können. Die Dosierungsangaben gelten dabei nur für standardisierte Extrakte und lassen sich nicht auf Ginkgo-Tee, Rohblätter, Samen oder nicht geprüfte Nahrungsergänzungsmittel übertragen [1].

Allergische Reaktionen

In seltenen Fällen kann Ginkgo biloba allergische Reaktionen auslösen. Möglich sind Hautrötungen, Juckreiz, Schwellungen oder Hautausschlag [1]. Bei Atemnot, Kreislaufbeschwerden oder stärkerer Schwellung sollte die Einnahme beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden [1].

Blutungsrisiko und Wechselwirkungen

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt ist das mögliche Blutungsrisiko. Ginkgo kann die Thrombozytenaggregation (Zusammenlagerung der Blutplättchen) beeinflussen [1]. Deshalb ist Vorsicht geboten bei Menschen mit erhöhter Blutungsneigung sowie bei gleichzeitiger Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Phenprocoumon, Warfarin oder direkten oralen Antikoagulanzien sowie Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel [1, 3].

Die Studienlage ist nicht eindeutig: In kontrollierten Untersuchungen wurde für standardisierte Ginkgo-Extrakte kein klar erhöhtes Blutungsrisiko gezeigt [3, 4]. Dennoch liegen einzelne Fallberichte über Blutungen vor, sodass Risikopersonen Ginkgo nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen sollten [5].

Vor Operationen

Vor Operationen oder zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen sollten Ginkgo-Arzneimittelextrakte vorsorglich abgesetzt werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt, Ginkgo-Präparate 3-4 Tage vor einer Operation zu pausieren [1]. Dies soll mögliche Blutungskomplikationen vermeiden.

Epilepsie, Schwangerschaft und Stillzeit

Menschen mit Epilepsie sollten Ginkgo nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, da Krampfanfälle nicht sicher ausgeschlossen werden können [1]. In der Schwangerschaft ist Ginkgo wegen des möglichen Blutungsrisikos kontraindiziert; in der Stillzeit wird die Anwendung aufgrund fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen [1].

Qualität des Präparats

Für die Verträglichkeit ist die Qualität des Präparats entscheidend. Standardisierte Ginkgo-Blattextrakte unterscheiden sich deutlich von nicht geprüften Rohblättern, Tees oder Samen [1]. Besonders Ginkgosamen können problematische Inhaltsstoffe enthalten und sollten nicht als Nahrungsergänzung verwendet werden [6].

Fazit

Ginkgo biloba ist bei sachgerechter Anwendung meist gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und allergische Reaktionen [1, 2]. Besondere Vorsicht ist bei Blutungsneigung, Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, Epilepsie, Schwangerschaft, Stillzeit und vor Operationen erforderlich [1, 3-5]. Eine ärztliche Rücksprache ist vor allem dann sinnvoll, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden.

Literatur

  1. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products. European Union herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium. EMA/HMPC/321097/2012. London: EMA; 2015.
  2. Hashiguchi M, Ohta Y, Shimizu M, Maruyama J, Mochizuki M. Meta-analysis of the efficacy and safety of Ginkgo biloba extract for the treatment of dementia. J Pharm Health Care Sci. 2015 Apr 10;1:14. doi: 10.1186/s40780-015-0014-7.
  3. Kellermann AJ, Kloft C. Is there a risk of bleeding associated with standardized Ginkgo biloba extract therapy? A systematic review and meta-analysis. Pharmacotherapy. 2011 May;31(5):490-502. doi: 10.1592/phco.31.5.490.
  4. Kloft C, Hoerr R. EGb 761® Does Not Affect Blood Coagulation and Bleeding Time in Patients with Probable Alzheimer's Dementia-Secondary Analysis of a Randomized, Double-Blind Placebo-Controlled Trial. Healthcare (Basel). 2021 Dec 3;9(12):1678. doi: 10.3390/healthcare9121678.
  5. Bent S, Goldberg H, Padula A, Avins AL. Spontaneous bleeding associated with ginkgo biloba: a case report and systematic review of the literature: a case report and systematic review of the literature. J Gen Intern Med. 2005 Jul;20(7):657-61. doi: 10.1111/j.1525-1497.2005.0121.x.
  6. Jang HS, Roh SY, Jeong EH, Kim BS, Sunwoo MK. Ginkgotoxin Induced Seizure Caused by Vitamin B6 Deficiency. J Epilepsy Res. 2015 Dec 31;5(2):104-6. doi: 10.14581/jer.15018.